Interview zum Thema Veränderungen – wie verändere ich  meine*n Partner*in 

Was steckt – psychologisch gesehen –hinter dem Wunsch des Partners, der andere möge sich optisch verändern? Welche Sehnsüchte?

Auf der Seite des Absenders kann es sein, dass die Verliebtheit verzogen ist und man realer aufeinander schaut -dass man grundsätzlich mit sich und seinem eigenen Körper oder Aussehen unzufrieden ist und diese Unzufriedenheit auf den Partner projiziert (man sieht bei ihm als Spiegel das, was einen an sich selbst stört) -dass man in der Partnerschaft unglücklich ist und den Unmut am Optischen ausdrückt  

Der Wunsch nach Perfektionismus und Fehlerlosigkeit, die Sehnsucht nach einem Prinzen oder einer Prinzessin – auf jeden Fall Realitätsferne und Kontaktlosigkeit. Dann, wenn wir in Beziehung zueinander stehen, wir echten Kontakt haben, jemanden lieben –dann lieben wir ihn/sie so (im besten Fall), wie er/sie ist, mit allem. Und wenn mir das schwer fällt, jemand anderen so zu lieben, mit allem, was er/sie hat, könnte es sein, dass es daran liegt, dass ich selbst mich nicht so mag und mit mir und meiner Situation unzufrieden bin. Dann gilt es, zuerst mich um mich und mein Wohl zu kümmern. 

Wie sollte man seinem Partner gegenüber “sanften” Druck ausüben? Mit anderen Worten: Wie kann man den Partner ändern – ohne dass er es merkt. Können Sie ein paar Punkte nennen?  

Wichtig ist, den Unterschied zwischen Forderung und Bitte zu kennen. Man kann sich wünschen, dass sich der Partner verändert. Man kann auch sagen, warum es einem wichtig ist und was man ganz konkret meint. Also nicht: „Du hilfst mir nicht im Haushalt! Sondern lieber: Ich wünsche mir mehr Unterstützung von Dir und möchte Dich bitten, einmal am Tag den Abwasch zu übernehmen“. Ob er sich verändert, optisch und auch im Verhalten, das bleibt allein in der Verantwortung des Partners. Und dann hat man auch wieder die Möglichkeit, sich dazu zu positionieren. Entweder ändert man selbst seine Einstellung, lenkt seine eigene Aufmerksamkeit auf andere Dinge, wird gelassenener, sieht das Positive mehr als sich zu ärgern oder man entscheidet sich im schlimmsten Fall, von der Partnerschaft Abstand zu nehmen. 

Ich kann darauf achten, woran er/sie am meisten merkt, dass er/sie geliebt wird und genau das tun. Wenn jemand besonders gern gewertschätzt und anerkannt werden möchte, dann mache ich genau das öfter, statt zu nörgeln und die Dinge, die man schon 100 mal gesagt hat, immer zu wiederholen. Füllen Sie den Liebestank des Partners auf, dann ist seine/ihre Bereitschaft hoch, auch Ihre Bedürfnisse zu erfüllen 

Sprechen Sie klar über das, worin Sie sich Veränderung wünschen. Sagen Sie, warum es Ihnen wichtig ist und was der andere konkret tun könnte, um Ihrem Wunsch zu entsprechen.

Liebe kann ja auch das Beste aus einem rausholen – eigentlich ist es doch nicht schlimm, wenn ich meinem Partner zuliebe an meinen Macken arbeite? Wo ist die Grenze? 

Wenn der andere von mir Veränderungen verlangt:
Ich werde mich nur für den anderen verändern, wenn es mir selbst auch nützt, wenn ich etwas davon habe, wen sie von innen heraus kommt. Sogenannte „intrinsische“ Motivation hält länger an als wenn ich den Anreizen von außen folge. Es ist toll, wenn es gelingt zu einer besseren Version von einem selbst zu werden, wenn Partnerschaft hierzu beitragen kann, umso besser. Die Grenze für Veränderungen ist genau da, wo ich sie selbst nicht vertreten kann, sie nicht erreiche, sondern unter einem Druck von außen stehe und dort, wo das neue Selbst einfach nicht zu mir passen würde.  

Wenn ich vom anderen Veränderungen möchte:
Dann, wenn die Veränderungen des Partners nicht mehr tragbar sind und mich in meiner Liebesfähigkeit und meinem Beziehungswunsch beeinträchtigen, also wenn man den Partner bspw. sexuell nicht mehr attraktiv findet oder wenn die Kommunikation zum Erliegen kommt oder extrem zeitaufwendige Hobbies keine Paarzeit mehr ermöglichen, dann sind Veränderungswünsche okay. Dann sollte spätestens das Gespräch darüber beginnen. Wenn keine Veränderung möglich ist und ich meine Einstellung auch nicht verändern kann, dann sollten Zugeständnisse aufhören und Konsequenzen folgen.