Das wäre ja mal was… sagen zur Zeit ganz viele meiner Kund*innen in der Paartherapie. Einfach mal nach der Arbeit nicht direkt nach Hause müssen, sondern spontan entscheiden, worauf man gerade Lust hat. Sei es Kino, mit Kolleg*innen was trinken gehen, durchs Shoppingcenter bummeln, mit Freunden daddeln. Ich kenne das auch, diesen Druck, gleich, sofort, jetzt nach Hause zu müssen, weil ich denke, dass ich dort gebraucht werde und erwartet. Das ist ja eigentlich ein schönes Gefühl, bei mir jedoch manchmal mit innerem Stress verbunden, ich fühle mich dann gehetzt.

Und was jetzt tun? Frau/Mann und Kinder warten, das Abendessen muss zubereitet werden, ins Bett bring Prozedere beginnen. Und ich will meine spontan freie Zeit? Ganz einfach, es braucht nur 2 Faktoren.

1) die andere Person übernimmt den Zuhausejob allein für eine Zeit

Für manche Partner*innen ist das überhaupt kein Problem, es kommt oft vor, dass diese Person ganz einverstanden ist, auch alleine Zeit mit den Kindern zu haben oder abends mal für sich sein zu können. Ich weiß, das Maß an Großzügigkeit ist sehr unterschiedlich unter uns Menschen verteilt. Was hier hilft, ist: reden: was brauchst du, um mir zu geben, was ich mir wünsche? Und dann gilt: hinhören. Vielleicht ist es ein neuer Deal, der die Wäsche betrifft oder was geschenkt oder eine feste Verabredung zur exklusiven Paarzeit oder eben für sich selbst die Möglichkeit, dann auch mal Zeit für sich zu haben.

2) die spontan freie Zeit muss ein bisschen geplant werden

Ich weiß, das ist nicht genau dasselbe, aber besser so als gar nicht. So, dass es vielleicht zwei feste Tage in der Woche gibt, wo es möglich ist, nicht direkt nach Hause zu kommen, aber zu dürfen (das braucht auch eine Abstimmung mit der anderen Person und ihrer Spontanität). Dass man mit Kindern nicht mehr ganz so frei sich bewegen kann, wie als kinderloser Mensch, das ist klar. Es ist trotzdem wichtig, gut auf seine Bedürfnisse zu achten und sie zu kommunizieren, als Bitte.

Ich hab vor Jahren meinem Mann gebeichtet, dass ich verreisen so vermisse, Städte anschauen, Sprachen sprechen, Länder sehen… Er hat gesagt, mach doch. Und ich was so: wie, wirklich, echt jetzt? Und ja, er meinte es ernst und ich hab wieder angefangen zu reisen. Mit Freunden, allein und auch mit ihm zusammen. Hier auf dem Bild bin ich in Brüssel und habe wieder eine Premiere erlebt: Roller fahren, was für ein Spaß.