Zweimal im Monat bin ich in dem Mädchenclub Schilleria zu Gast. In lockerer Runde und mit unterschiedlichen Altersgruppen sprechen wir über die Themen Körper, Weiblichkeit, Beziehung, Sexualität. Wir nähern uns langsam an, an uns und an die Themen.

Für morgen habe ich mir von meinem Kollegen Tobias Holk Materialien ausgeborgt. Er ist Sexualpädagoge und führt ein ähnliches Projekt um Jungsclub Blueberry durch. Es wird zwischen den Gruppen eine gemeinsame Fragestunde geben und zum Abschluss ein Plakat zum Thema Homophobie. Er hat mir zwei Plüschgeschlechtsteile geborgt, die morgen beim Thema Körper zum Einsatz kommen werden. Er hat gute Erfahrungen damit gemacht, die Hemmschwelle dadurch zu senken und gut ins Gespräch zu kommen, weil sie eben so an fassbar sind. Toll ist, dass in dem weiblichen Plüschi ein reales Modell der Klitoris eingearbeitet wurde, sodass man gut erklären kann, dass es eben nicht nur den sichtbaren Kopf, oder die Eichel, der Klitoris gibt, sondern ein ganzes Organ dahinter steckt.

Besonders spannend wird gewiss die Debatte um das sog. “Jungfernhäutchen”, das ja eigentlich keines ist. In Dänemark ist man soweit, das Hymen anders zu nennen, es von der Idee zu lösen, dass man es “durchstoßen” könne, Blut fließe und die Frau danach keine Jungfrau mehr ist. Solche Fragen wie: ab wann definiert sich eine Frau als nicht mehr Jungfrau? Was gilt schon als Sex? Welche Formen hat das Hymen? Wieso blutet die Frau manchmal beim ersten Mal?

Diese Legende wird so vehement aufrecht erhalten und ist kulturell so stark aufgeladen, dass ich nur hoffen kann, dass wir mit unserem Neuköllner Projekt dazu beitragen, aufzuklären und Mythen zu entkräften und die jungen Frauen und Männer mit ihrem Körper etwas bekannter zu machen.